Was bedeutet "Long" oder "Short" gehen?

📊 Long oder Short? Preissicherung und Strategien am Agrarmarkt
Ein Leitfaden für Landwirtschaft und Agrarhandel
Egal ob Weizen, Raps oder Mais – wer am Agrarmarkt bestehen will, muss die Begriffe Long und Short verstehen. Doch es geht dabei um mehr als nur Spekulation. Für Landwirte und Verarbeiter sind diese Positionen die Basis für ein professionelles Risikomanagement. Dabei unterscheiden wir grundlegend zwischen der physischen Bestandsposition und der finanziellen Absicherung über Futures.
📈 Die Long-Position: Eigentum verpflichtet (zum Risiko)
Wer "Long" ist, besitzt Ware oder hat einen Anspruch darauf. Man profitiert von steigenden Kursen und leidet unter fallenden Preisen.
Physisch Long
Ein Landwirt mit vollem Getreidesilo nach der Ernte ist physisch "Long". Er hat das Preisrisiko im Lager. Fällt der Markt um 20 €, verliert sein Bestand an Wert.
Finanziell Long (Futures)
Ein Mühlenbetrieb, der Weizen für das nächste Halbjahr benötigt, aber noch kein Getreide im Lager hat, kauft MATIF-Futures. Er sichert sich damit gegen steigende Rohstoffkosten ab.
📉 Die Short-Position: Das Schild gegen Preisverfall
Short zu gehen bedeutet, eine Verpflichtung zur Lieferung einzugehen oder ein Preisrisiko abzugeben. Man profitiert, wenn die Preise fallen.
Physisch Short
Ein Landwirt, der im Mai per Vorkontrakt Weizen beim Landhandel verkauft (die Ware aber noch auf dem Feld steht), ist physisch "Short". Er hat den Preis fixiert und liefert später.
Finanziell Short (Futures)
An der Börse verkauft der Landwirt einen Kontrakt, ohne physisch liefern zu müssen (Hedging). Fallen die Preise, macht er Gewinn an der Börse, der den Verlust beim späteren physischen Verkauf ausgleicht.
🔗 Die Rolle der Futures an der Börse
Um die finanzielle Long- oder Short-Seite effektiv zu nutzen, kommen Futures ins Spiel. Ein Future ist ein standardisierter Terminkontrakt. Er ermöglicht es uns, Preise für die Zukunft festzuschreiben, ohne sofort LKW oder Schiffe bewegen zu müssen.
Tipp: Wenn du tiefer verstehen willst, wie genau diese Kontrakte an der Pariser Börse funktionieren, lies unseren detaillierten Beitrag: MATIF Weizen-Futures verstehen: Alles über Kontrakte und Handel.
💡 Hedging: Das Zusammenspiel beider Welten
In der Profi-Vermarktung werden physische und finanzielle Positionen kombiniert. Ein klassischer Hedge in der Landwirtschaft sieht so aus:
- Der Landwirt ist physisch Long (Weizen wächst auf dem Feld).
- Er geht an der MATIF finanziell Short (verkauft Futures).
- Das Ergebnis: Das Preisrisiko ist neutralisiert. Egal ob der Markt steigt oder fällt – der Landwirt hat sich sein Preisniveau gesichert.
📑 Fachwissen Vertiefen: Futures & Marktmechanik
Ein tieferes Verständnis der Euronext-Kontrakte ist für die Umsetzung dieser Strategien unerlässlich.
Weiterführende Ressourcen & Fachquellen:
- Agrarhandelskompendium (Christian Tylinski): Das Fachbuch für Marktbeteiligte.
- Euronext MATIF Weizen: Offizielle Spezifikationen der Terminkontrakte.
- USDA WASDE Report: Die wichtigste globale Datenquelle für Angebot und Nachfrage.
- Unser Deepdive: MATIF Weizen-Futures verstehen.
🎧 Wissen to go: Der Agrarmarktpodcast
In unseren wöchentlichen Marktberichten besprechen wir live, ob wir aktuell eher Bullen (Long) oder Bären (Short) am Markt sehen und welche Strategien für deinen Betrieb sinnvoll sind.
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