2. Mai 2025

Getreidepreise mit Futures absichern: So funktioniert ein Hedge

Getreidepreise mit Futures absichern: So funktioniert ein Hedge

Eine Futures-Absicherung ersetzt keinen Verkauf der Ware. Sie soll das Preisrisiko eines physischen Geschäfts durch eine entgegengesetzte Börsenposition verringern. Ob das gelingt, hängt vor allem von der Übereinstimmung von Menge, Qualität, Lieferzeitraum und regionaler Preisbasis ab.

Aktualisiert am 16. September 2026 · Redaktion Agrarmarktpodcast


Das Grundprinzip eines Short Hedge

Ein Erzeuger oder Händler mit noch unverkauftem Weizen ist dem Risiko fallender Preise ausgesetzt. Ein möglicher Mechanismus ist der Verkauf eines passenden Futures. Fallen Börsen- und Kassapreis in ähnlicher Größenordnung, kann der Gewinn auf der Short-Position einen Teil des niedrigeren physischen Verkaufspreises ausgleichen. Steigen die Preise, erhöht sich zwar der Wert der Ware, zugleich entstehen Verluste auf dem Future.

Die Absicherung zielt damit auf eine Preisrelation, nicht auf einen garantierten Enderlös. Der Euronext-Mahlweizenfuture ist ein standardisierter 50-Tonnen-Kontrakt mit festgelegten Liefermonaten und Qualitätsbedingungen. Physische Ware kann davon in Protein, Standort, Käuferanforderung oder Abrechnungszeitpunkt abweichen.


Ein vereinfachtes Beispiel

Angenommen, ein Unternehmen erwartet 50 Tonnen Weizen im November zu verkaufen und verkauft dafür einen passenden Euronext-Future bei 220 Euro je Tonne. Sinkt der Future bis zur Glattstellung um 15 Euro je Tonne, ergibt sich auf einen Kontrakt rechnerisch ein Gewinn von 750 Euro. Wenn der regionale Kassapreis in derselben Zeit ebenfalls um 15 Euro je Tonne fällt, steht dem niedrigeren physischen Erlös in diesem vereinfachten Beispiel der Futuresgewinn gegenüber.

Das Beispiel ist keine Preisprognose und keine Garantie. Bewegt sich der regionale Kassapreis nur um 9 Euro je Tonne oder weicht die Ware qualitativ vom Kontrakt ab, entsteht ein anderes Ergebnis. Diese Differenz zwischen Kassamarkt und Terminmarkt heißt Basis; ihre Veränderung ist das Basisrisiko.


Die drei Risiken, die oft unterschätzt werden

  • Basisrisiko: Kassamarkt und Future bewegen sich nicht immer gleich. Region, Qualitätsprämien, Fracht und lokale Nachfrage können die Differenz verändern.
  • Kontrakt-Mismatch: Ein 50-Tonnen-Kontrakt, feste Liefermonate und standardisierte Qualität passen nicht zwangsläufig zur geplanten Menge oder zur eigenen Ware.
  • Margin-Risiko: Futures werden täglich bewertet. Bei steigenden Kursen kann eine Short-Position zusätzliche Sicherheiten erfordern, noch bevor die physische Ware verkauft ist.

Lieferung ist kein Automatismus

Der Euronext-Mahlweizenfuture ist physisch erfüllbar. Wer keine Andienung oder Übernahme beabsichtigt, muss seine Position fristgerecht schließen oder in einen späteren Kontrakt übertragen. Die Lieferorte und Qualitätsregeln sind Teil des Kontrakts, nicht bloß Hintergrundinformation.


Was vor einer Absicherung dokumentiert werden sollte

Ein belastbarer Hedge-Prozess hält mindestens die physische Menge, den erwarteten Lieferzeitraum, den Referenzkontrakt, die gewählte Kontraktzahl, die verantwortliche Person und Regeln für Margin-Zahlungen fest. Auch klar definierte Ausstiegspunkte und die Behandlung von Mengen- oder Qualitätsabweichungen helfen, aus einer Marktidee einen kontrollierten Prozess zu machen.


Quellen

Hinweis: Das Beispiel erläutert die Funktionsweise eines Hedges. Es ist keine individuelle Handels-, Anlage- oder Vermarktungsempfehlung.